23. März 2010
„Du bist ein Schatz“ – Brandenburgs Tafelsilber

Ausstellungseröffnung im Landtag am 23. März um 12 Uhr

Sehr geehrte Frau Große, liebe Gerrit,
sehr geehrte Abgeordnete und Mitarbeiter des Landtages,
liebe Gäste aus den Großschutzgebieten,
sehr geehrte Damen und Herren! 

Von „Tafelsilber“ ist in der Politik meist dann die Rede, wenn es verscherbelt wird. Brandenburg stellt heute sein „Tafelsilber“ aus – nicht, um es meistbietend zu verhökern, sondern um es öffentlich zu präsentieren und zur Teilhabe einzuladen. Brandenburgs „Tafelsilber“ – das sind die 15 brandenburgischen Nationalen Naturlandschaften, die man heute und in den nächsten fünf Wochen trockenen Fußes und alle auf einmal erobern kann.  

Die Großschutzgebiete sind Hochburgen der biologischen Vielfalt und des ökologischen Anbaus, sie sind Magnete für abenteuerlustige Besucher und wissenschaftliche Forscher. Die heutigen elf Naturparks und drei Biosphärenreservate sowie Brandenburgs einziger Nationalpark sind würdige Nachkommen des ‚Nationalparkprogramms für den Osten Deutschlands’, das vor 20 Jahren verabschiedet wurde.

Mit dem Mauerfall hatte sich die einmalige Chance geboten, große Naturräume in Ostdeutschland unter Schutz zu stellen, da 10 – 15 Prozent der Fläche der DDR als Truppenübungsplätze, Staatsjagdgebiete oder weiträumige Sicherungszonen keiner üblichen land- und forstwirtschaftlichen Nutzung unterlagen. Der Weitsicht insbesondere von Prof. Michael Succow sowie seiner Mitstreiter ist es zu verdanken, dass gleich nach dem Mauerfall intensiv an einem Nationalparkprogramm für die ehemalige DDR gearbeitet wurde.

Am 16. März 1990 sichert der damalige DDR-Ministerrat einstweilig 23 große Schutzgebiete. In seiner letzten Sitzung am 12. September stellte die Regierung 14 Naturlandschaften, darunter drei brandenburgische - die Biosphärenreservate Spreewald und Schorfheide-Chorin sowie den Naturpark Märkische Schweiz -, endgültig unter Schutz. Heute gibt es in Brandenburg 15 Großschutzgebiete auf einem Drittel der Landesfläche - mit dem Auftrag, ökologisch und ökonomisch nachhaltig für gesunde Lebensgrundlagen und -qualität zu sorgen.

Bereits am 3. Oktober 1990 ging die Verantwortung für diese Schutzgebiete in die Hoheit der fünf neuen Bundesländer über. Heute können wir sagen: Brandenburg hat die Chance genutzt.

In den Großschutzgebieten wird das Land seiner globalen Verantwortung für die biologische Vielfalt gerecht: Zwei Drittel der Flora-Fauna-Habitate (FFH) und EU-Vogelschutzgebiete Brandenburgs liegen in den Naturlandschaften. Mehr als 90 Prozent der im Lande vorkommenden, europaweit am stärksten gefährdeten Vogelarten, darunter Schreiadler, Schwarzstorch und Großtrappe (Präparat ist Teil der Ausstellung), leben in den Großschutzgebieten. 

Anziehungskraft üben auch die 14 Besucherzentren der Parks aus: Wollte man alle der Lust-auf-NaTour-Angebote wahrnehmen, wäre man mehr als ein Jahr lang in den Naturlandschaften unterwegs.

Nirgendwo sonst in Deutschland wird soviel Ökolandbau betrieben wie in den Naturlandschaften von Brandenburg. Die Hälfte der hiesigen Ökoanbauflächen befindet sich in den Großschutzgebieten, 16 Prozent der Betriebe produzieren „Bio“ – das sind 11 Prozent mehr als im übrigen Land und fast doppelt so viele wie im Bundesdurchschnitt. Dazu kommt: Der Ökolandbau beschäftigt in der Regel ein Fünftel mehr Menschen als die intensive Landwirtschaft.

Eine Kostprobe aus dem Naturpark Nuthe-Nieplitz habe ich für Sie mitgebracht: Probieren Sie Apfelsaft von der Streuobstwiese, Prosecco von Kürbissen, die auf Beelitzer Feldern gewachsen sind und deren Kerne, zum Knabbern noch etwas veredelt.
Besonders hinweisen möchte ich Sie noch auf die naturinspirierten künstlerischen Arbeiten in den angrenzenden Fluren. Diese sind vielfältig in der künstlerischen Ausdrucksform - Malerei, Grafik, Collagen und Mischtechniken – und sind in den Jahren 2003 bis 2009 im Rahmen der internationalen Kunstsymposien entstanden.  

Die vom Naturpark Stechlin-Ruppiner Land und dem Kunstverein Zehdenick organisierten Künstlerbegegnungen führten mittlerweile sieben Mal an verschiedenen Orten im Naturpark Maler und Bildhauer aus insgesamt zehn Ländern zusammen. Gäste aus Armenien, Dänemark, Frankreich, Litauen, Polen, Russland, Schweiz, Slowakei, Senegal, Russland und USA arbeiteten im Laufe der Jahre zusammen mit deutschen Künstlern zu Themen wie „Denk-mal Natur“, „NATURA 2000“, „Wasser ist Lebenselixier“ oder „Klimawandel“.

Freue mich, dass die Initiatoren der Internationalen Kunstsymposien, Gudrun und Kuno Lomas, heute ebenfalls anwesend sind. Die neue Bannerausstellung „Ein Schatz“ wird uns ab heute durch das Jubiläumsjahr begleiten. Wir danken dem Grafiker, Rene Enter, für die gute Zusammenarbeit.

Ich hoffe, die Ausstellung macht „Lust auf mehr“ und animiert zum Besuch unserer Großschutzgebiete.  Ich möchte heute die Gelegenheit nutzen, und Sie auf die Feierlichkeiten zum 20. Jahrestag des Nationalparkprogramms hinweisen: 

In Brandenburg gibt es aus diesem Anlass:

Am 12. September eine Festveranstaltung im Kloster Chorin, zu der wir auch  Prof. Dr. Klaus Töpfer, Prof. Dr. Michael Succow und den Ministerpräsidenten erwarten und am 13. September ein Fachkolloquium des LUA an der Fachhochschule Eberswalde. Beim Ausstellungsrundgang können Sie auch regionale Produkte verkosten.