14. Februar 2018

Autofreie Innenstadt?!

Die Luft in den Städten wird besser, der Lärm geringer, wir leben gesünder und werden fitter. Weniger Autos bedeuten mehr Platz, der anderweitig genutzt werden kann. Das macht die Innenstadt erlebbarer für Einwohner*innen sowie Gäste, attraktiver für die Einzelhändler und ist absolut gut für die Umwelt.

Ein Traum – oder?

Stellen sie sich vor, wie attraktiv und lebenswert Potsdams Innenstadt wäre, wenn zwischen Altem Markt und Nauener Tor sowie Brandenburger Tor und Bassinplatz überall Fußgänger- und Grünbereiche statt Parkplätze und Straßen sein würden. Das klingt heute noch schwer vorstellbar. Aber noch vor ein paar Jahren war es auch völlig unvorstellbar, mit einem Telefon mehr tun zu können, als nur zu telefonieren.

Noch ist die Innerstadt voll von Autos – fahrend und parkend. Da ist wenig Freiraum für Kreativität, Ruhe, Genuss, Lebendigkeit. Auch ist Potsdam Innenstadt recht klein und frei von großen Einkaufszentren –  die Großeinkäufe mit dem Auto nach sich ziehen würden.  Die Brandenburger Straße mit ihren vielen Seitenstraßen kann zum Schlendern und Verweilen einladen. Die freien Flächen könnten für Kunst, Markt, Kultur verwendet werden und einfach nur zum Entspannen.

Ziel sollte es sein, die Attraktivität der Innenstadt zu erhöhen, indem auf den privaten Autoverkehr verzichtet wird. Menschen aus dem Nahbereich kommen in der Regel ohne Auto, d. h. zu Fuß, per ÖPNV oder mit dem Fahrrad. Aktuell werden aber einige aus dem Nahbereich dadurch abgehalten, da sie sich vom Autoverkehr beeinträchtigt fühlen und dadurch die Aufenthaltsqualität nicht optimal ist. Die Erreichbarkeit mit dem Fahrrad ist wegen der teilweisen schlechten Radinfrastruktur (Charlottenstraße und Friedrich-Ebert-Straße) und fehlender sicherer Abstellplätze nicht komfortabel.

Verbesserung der Lebensqualität in der Stadt heißt Verringerung von Verkehrsbelastung, Verkürzung von Wegezeiten und Optimierung von Verkehrsbeziehungen. Wir plädieren für verbesserte Bedingungen für FußgängerInnen und RadfahrerInnen und für die Stärkung des ÖPNV mit Bussen und Straßenbahnen.  Autofahrer*innen sollen durch attraktive Alternativen zum Umsteigen bewegt werden. Viele Wege in der Stadt müssen nicht mit dem Auto zurückgelegt werden. Das erfordert aber zuerst ein Umdenken weg von der traditionellen Verkehrspolitik hin zur Mobilitätspolitik. Wir brauchen mehr Mobilität - mit weniger Verkehr.

Der private PKW mit umweltschonendem Antriebssystem wird auch künftig gebraucht werden, aber immer weniger in unseren Städten. Statt viel Geld in die Entwicklung von selbstfahrenden Autos zu investieren, sollte es besser für die Gestaltung nachhaltiger Lebensbedingungen in den Städten eingesetzt werden. Beispielgebend dafür ist die Stadt der kurzen Wege, wo die Alltagsbedürfnisse wie Kita- und Schulbesuch, Einkaufen, Arztbesuch, Verwaltungsgänge und Kino zu Fuß, mit dem Fahrrad, der Straßenbahn oder mit dem Bus erledigt werden können.

Eine unerwartete Unterstützung kam dieser Tage von der amtierenden Bundesregierung. Sie denkt über den für Fahrgäste kostenlosen Nahverkehr nach. Um Strafen der EU abzuwenden, verspricht die Regierung konkrete Schritte zur Luftverbesserung. Darunter ÖPNV zum Nulltarif. Der Vorschlag könnte bedeuten, dass der Bund künftig Länder und Kommunen finanziell dabei unterstützt, wenn diese einen beitragsfreien öffentlichen Nahverkehr einführen wollen. Dies wäre eine große Chance für Potsdam, die Herausforderungen einer wachsenden Stadt mit mehr Mobilität nachhaltig zu lösen.

Anita Tack und Sascha Krämer